<<Eine Geldpolitik, die _ auf das europäische Interesse ausgerichtet ist, vermag naturgemäss nicht mehr auf die spezifischen Interessen der einzelnen Mitgliedstaaten einzugehen. _ Die Erfahrungen, die wir aus bestehenden Währungsunionen - seien es die Vereinigten Staaten, die Schweiz oder die noch junge Union zwischen den alten und den neuen deutschen Bundesländern - kennen, zeigen eines deutlich: die Mobilität der Personen oder die Lohn- und Preisflexibilität genügen noch nicht, um die negativen Auswirkungen wirtschaftlicher Störungen aufzufangen. Jede Währungsunion braucht zusätzlich ein ausgebautes System des Finanztransfers. Finanztransfers sind Ausdruck der gelebten Solidarität: der Solidarität unter allen Teilnehmern der Währungsunion>>. Voraussetzung für diese Solidarität ist für Lusser die politische Ebene, sonst kommt es <<nicht nur auf dem monetären Feld (zu) einem Scherbenhaufen>>.
Die EU-Mitgliedschaft der Schweiz würde zur Teilnahme an der Währungsunion führen. Sie hätte laut Lusser als Land mit hoher Preisstabilität viel zu verlieren, wenn der WWU der Erfolg versagt bliebe. Lusser stellt die Risiken für die WWU vor und plädiert für die vorgängige Schaffung der nötigen politischen Voraussetzungen - denn die Einhaltung der Maastrichter Konvergenzkriterien genügt für eine funktionierende Währungsunion nicht. In der Geschichte sind vergleichbare Münz- und Währungsunionen jeweils nach kurzer Zeit zerbrochen.
M. Lusser, Die europäische Währungsunion und die Schweiz, in: Basler Schriften zur EU-Integration, Nr. 13, Europa Institut, Basel, 1995.
