Das Büchlein ist als Einstieg für Interessierte in das juristisch noch wenig beschriebene Gebiet der Ökolabels gedacht. Es soll zudem bei der Lösung von Auslegungsproblemen bei der Anwendung der schweizerischen Bio-Verordnung helfen. Es handelt sich entsprechend um eine detaillierte juristische Analyse, die sich vor allem an Spezialisten des Fachbereiches wendet. Er diskutiert zuerst den Begriff des Ökolabels und grenzt dessen Rechtsbereich von angrenzenden Rechtsgebieten ab (Markenrecht, Herkunftsangaben, technische Normen, Konsumentenrecht, Umweltrecht, Umweltzeichen, Energiespar-Labels). Im Anschluss an diese einführenden Analysen wird detailliert das betreffende EG- und Schweizer Recht beschrieben. Die Schweizer Regelung lehnt sich laut Kiener eng an die EG-Regelungen an, um Handelshemnisse zu vermeiden. Es gibt aber durchaus Unterschiede: in der Frage der Gesamtbetrieblichkeit geht die schweizerische Verordnung weiter, da dort, im Gegensatz zur EU, nur Produkte von Betrieben, die auf dem gesamten Betriebsgelände biologisch produzieren, "biologisch" genannt werden dürfen.
Die EU setzte die Bio-Verdordnung (Art. 11 Abs. VO 2092/91) auf den 1. März 1997 in Kraft. Gleichzeitig wurde eine Drittlandliste im Anhang der VO 94/92 bereinigt. In dieser Drittlandliste befindet sich - neben Argentinien, Australien, Ungarn und Israel auch die Schweiz. Gemäss der entsprechenden Verordnung wird schweizerische Bioware anerkannt, falls jene in der Schweiz angebaut oder aus der EU bzw. einem anderen Land auf der Drittlandliste in die Schweiz eingeführt worden sind.
Der Autor ist gegenüber staatlichen Labels eher skeptisch eingestellt. Zwar kann die Vermehrung von privatrechtlicher Labels zu einer Verwirrung der Konsumenten führen. Anderseits kann ein staatliches System dazu führen, dass sich der Verbraucher auf das staatliche Label fixiert und deshalb nur noch wenig Raum für private Labels bliebe, die sich bewusst vom Minimalstandard abheben wollen.
Kiener Olaf, Kennzeichnung von Bioprodukten, Rechtliche Grundlagen in der EU und der Schweiz, Schweizer Schriften zur europäischen Integration, 16, Bern, Stämpfli, Zürich, Schulthess, 1998 (97 Seiten, Preis: 29 SFr.)
