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Trennende EU

Die EU übt Druck auf Polen aus, um die Grenze nach Osten dicht zu machen. Polens Grenzschutz wurde mit EU-Mitteln und deutschen Geldern aufgerüstet - die Überwindung von Grenzen nach Art der EU. Polen hat jetzt Satellitenverbindungen, Glasfaserkabel, Telex, Helikopter, Faxleitungen, geländegängige Jeeps und Motorschlitten. Rechtzeitig zum EU-Beitritt sollte Polens Ostgrenze "Schengen-Standards" erfüllen. Dies würde Visazwang für Weissrussen, Russen und Ukrainer heissen - und damit das endgültige Aus für den blühenden Grenzhandel bedeuten, der die Arbeitslosigkeit in den strukturschwachen Gebieten Ostpolens auf einem erträglichen Mass gehalten hat. Zudem werden beidseits der Grenze liegende Dörfer getrennt: Grenzübertritte zu den Verwandten gibt es nur mehr in begründeten Fällen: wenn drüben jemand beerdigt wird oder wenn ein hoher Feiertag ist. Der Katzensprung über die Grenze ist nur mehr möglich, wenn dieser samt genauem Zeitpunkt des Übertritts den zuständigen Stellen gemeldet wird. Ausserhalb des "nahen Grenzverkehrs" ist freies Reisen noch schwieriger. Jeder der aus Weissrussland oder Russland nach Polen will, muss einen Voucher (für Übernachtung) oder eine amtlich überprüfte Einladung vorweisen. Beides kostet rund 30 SFr. und hat - angesichts des für osteuropäische Länder hohen Preises - den Ost-West-Reiseverkehr und den grenzüberschreitenden Kleinhandel fast zum Erliegen gebracht. Basler Zeitung, 3.2.98

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