EU-Gelder für Bulgarien und Rumänien: Sofia nahe an Verhandlungsabschluss
Bulgarien und Rumänien haben an einer weiteren Runde ihrer mit der EU geführten Beitrittsverhandlungen zwei wirtschaftlich wichtige und schwierige «Kapitel», die Dossiers Landwirtschaft und Finanzen/Haushalt, provisorisch abgeschlossen. Bulgarien, das darüber hinaus die Gespräche über die Regionalpolitik beenden konnte, hat nun 29 der insgesamt 31 Verhandlungskapitel geschlossen; ausstehend sind die Wettbewerbspolitik und der nicht unwichtige Lumpensammler «Sonstiges». Sofia hofft, die Beitrittsverhandlungen bis Ende Juni abschliessen zu können. Obwohl Rumänien mit 24 vorläufig geschlossenen Dossiers im Rückstand liegt, besteht das offizielle Ziel noch immer in einem gemeinsamen Beitritt im Januar 2007. Die Beitrittsverhandlungen der beiden Nachzügler sind lange in aller Stille im Schatten der am I. Mai vollzogenen «grossen» Erweiterung um 10 Staaten geführt worden; jetzt nähern sie sich der Schlussphase. Im Landwirtschaftsdossier lehnen sich die mit den beiden Staaten ausgehandelten Bedingungen eng an das bereits bei der jüngsten Erweiterung verwendete Modell an. So werden die Direktzahlungen an die Bauern 2007 mit 25% des «normalen» Niveaus der EU-15 einsetzen und dann schrittweise über 10 Jahre auf 100% steigen. Das vereinbarte Finanzpaket sieht vor, dass im EU-Haushalt für die beiden Staaten zusammen für die Periode 2007/09 zu Preisen von 2004 etwa 15,4 Mrd. Euro an Verpflichtungsermächtigungen (Rahmen für ausgabenwirksame Programme) bzw. 9,1 Mrd. Euro an Zahlungsermächtigungen (Rahmen für tatsächliche Ausgaben) bereitgestellt werden. Von den Verpflichtungen entfallen 8,3 Mrd. Euro auf die Regionalforderung (Struktur- und Kohäsionsfonds) und 5,5 Mrd. Euro auf Agrarsubventionen, die beiden Hauptbrocken. Gut zwei Drittel der Gesamtmittel, nämlich rund 11 Mrd. Euro der Verpflichtungen und 6 Mrd. Euro der Zahlungen, sind für Rumänien vorgesehen. Dieser Staat ist mit 21,8 Mio. Einwohnern deutlich grösser als Bulgarien mit etwa 7,8 Mio. Beide Kandidaten werden zugleich von Anfang an auch Beiträge in den EU-Haushalt einzahlen und - wie bereits die 10 soeben beigetretenen Staaten - in den Anfangsjahren zusätzliche, in ihrer Höhe aber noch nicht festgelegte Budgethilfen («lump sum») und Beihilfen zur Sicherung der EU-Aussengrenzen ausbezahlt erhalten. NZZ. 7. Juni 04, S. 16
