EU-Staaten schlampen bei Stickstoff, Schwefel & C0.
Rund die Hälfte aller Mitgliedstaaten der Europäischen Union wird in diesem Jahr die Grenzwerte für bestimmte Luftschadstoffe nicht einhalten können. Das ist das Ergebnis des jährlichen Berichtes der Europäischen Umweltagentur (EEA) zur NEC-Richtlinie (2001/81/EG). Diese legt nationale Emissionshöchstmengen für die Luftschadstoffe Schwefeldioxid (SO2, Stickstoffoxide (NOx)' Ammoniak (NH3) und flüchtige organische Verbindungen (ohne Methan, NMVOC) fest. Doch elf Staaten werden beispielsweise die Grenzwerte für Stickstoffe nicht einhalten. Schlusslicht ist Irland mit einer Überschreitung um 47 Prozent, gefolgt von Belgien (43 Prozent) und Österreich (42 Prozent). Andere Staaten überschreiten die NOx-Obergrenzen, allerdings um weniger als fünf Prozent. Deutschland hat neben dem Stickstoff- auch noch ein Ammoniakproblem und überschreitet beide Grenzwerte.
Eigentlich ist für die Richtlinie in diesem Jahr eine Revision vorgesehen, um neue Grenzwerte bis 2020 für die genannten NEC-Schadstoffe sowie auch für Feinstaubpartikel bis 2,5 Mikrometer Größe (PMz,s) zu beschließen. Doch die EU- Kommission hat angekündigt, die Überarbeitung auf 2013 zu verschieben.
Die schwedische Umweltorganisation AirClim kritisierte die Verschiebung. Jüngste Analysen hätten ergeben, dass die in der thematischen Strategie zur Luftreinhaltung enthaltenen Umweltziele bis 2020 Kosten von etwa 1,4 Milliarden Euro verursachen dürften. Dies entspräche etwa 0,01 Prozent des Bruttoinlandprodukts der EU oder anders ausgedrückt: Für alle EU-BürgerInnen wären das nur 2,70 Euro pro Jahr. Studien vor zwei Jahren setzten laut AirClim auf der Nutzenseite für zu erwartende positive Gesundheits- und Umwelteffekte zwischen 22 und 70 Milliarden Euro pro Jahr an.
Auch andere Umweltorganisationen wie das Europäische Umweltbüro und die in der Kampagne "Rußfrei fürs Klima" zusammengeschlossenen deutschen Organisationen NABU, BUND, DUH und VCD haben die Verspätung bei der Neuauflage von Grenzwerten kritisiert und der EU- Kommission vorgeworfen, die Gesundheit von Millionen Menschen unnötig aufs Spiel zu setzen.
Allein in Europa, so die Verbände, verursachten Luftschadstoffe jährlich fast eine halbe Million vorzeitige Todesfälle. Hinzu kämen Schäden durch Überdüngung, Übersäuerung und zu hohe Werte von bodennahem Ozon. AcidNews No. 3/2010: www.airclim.org; www.eu-koordination.de (EU-News -02.07.2010) ; EEA-Report: www.kurzlink.de/eea-nec-report2010; www.russfrei-fuers-klima.de; umwelt aktuell, November 2010, S. 9.
