Einwanderung – Studie des Kantons Zürich
Bloss 20% der Erwerbstätigen, die seit 2007 in die Schweiz zugewandert sind, arbeiteten 2014 in einem Beruf, für den sich ein Fachkräftemangel nachweisen lässt. Bei den Grenzgängern waren gerade einmal 16,6% in «Mangelberufen» tätig. Die in der «NZZ am Sonntag» zitierte Analyse des Amtes für Wirtschaft und Arbeit (AWA) des Kantons Zürich ist brisant. Sie lässt nämlich den Schluss zu, dass ein Grossteil der seit 2007 zugewanderten Arbeitskräfte in Berufen tätig ist, in denen inländische Stellenbewerber durchaus vorhanden gewesen wären. Ob die entsprechenden Kandidaten aber auch tatsächlich auf eine ausgeschriebene Stelle gepasst hätten, darüber sagt die Erhebung nichts aus.
Aufgrund der neuen Erkenntnisse des Zürcher AWA stellt sich die Frage, ob der Verdrängungseffekt der bisherigen Einwanderung unterschätzt worden ist. Spielen möglicherweise auch die niedrigen Lohnkosten ausländischer Kandidaten eine Rolle – vor allem auch bei Tätigkeiten für Geringqualifizierte, für die sich nur wenige Inländer interessieren? In gewissen Branchen und Tätigkeiten wie dem Gastgewerbe, dem Bau oder dem Detailhandel geht eine hohe Einwanderung einher mit überdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit. Auch in den Regionen Genfersee und Tessin, die einen hohen prozentualen Anteil an Grenzgängern aufweisen, liegt die Erwerbslosenquote über dem gesamtschweizerischen Durchschnitt. Unbestritten ist auch, dass die Arbeitslosenquote bei den Ausländern deutlich höher liegt als bei den Schweizern. Hierbei zeigt sich, dass die Verdrängung nicht zuletzt frühere Einwanderer beispielsweise aus dem ehemaligen Jugoslawien trifft, die durch neue Zuwanderer aus Polen, Deutschland oder Portugal teilweise aus dem Arbeitsmarkt verdrängt worden sind. NZZ, 25. November 2016, S. 9
