Der Autor stellt die medienpolitische Lage in der Schweiz und in Westeuropa (EU) dar und geht dabei auf die entstehende Informationsgesellschaft ein. In allen Ländern herrschen auf dem Medienmarkt oligopolitische Verhältnisse. Dies gilt für die verschiedenen Medienbereiche. In der Schweiz ist gegenüber dem Ausland die Abhängigkeit der Medien von den Anzeigen grösser. Interessant ist vor allem der juristische Ansatz des Autors, mit dem die Doppelrolle der Medien als Wirtschafts- und Publikationsunternehmen angegangen wird. Für die Medien als Wirtschaftsunternehmen gilt die Unternehmensfreiheit. Für die Medien als Publikationsunternehmen sind demgegenüber staatlicherseits keine Zielvorstellungen des publizistischen Wettbewerbs formuliert und es existieren keine diesbezüglichen ordnungspolitischen Massnahmen (S. 82).
Die stark oligopolitische Struktur der Medienmärkte lässt nur Schwarzmalerei für die Zukunft zu. Wenn Informationen nur noch für ein zahlungskräftiges, speziell ausgebildetes Publikum mit entsprechenden Computern zugänglich sind, steht es sehr schlecht um die Demokratie. Diese setzt die Zugänglichkeit von Informationen voraus.
Das EU-Recht krankt daran, dass die Fusionskontrollverordnung auf die europaweite wirtschaftliche Konzentration und nicht auf die lokale, publizistische Monopolstellung abzielt. Dies führt dazu, dass in Italien nach EU-Recht keine monopolähnliche Marktsituation vorhanden ist - trozt der allmächtigen Stellung von Berlusconis Fininvest.
Die EU-Kommission kommt in einem Grünbuch zum Schluss, "dass die gegenwärtigen Regelungen keine Garantie für die Verwirklichung des Medienwettbewerbs geben können. Einerseits fehlt es an einer Interessenübereinstimmung zwischen der Aufrechterhaltung des Wettbewerbs und der Wahrung des Pluralismus, andererseits fallen Multimedia-Zusammenschlüsse bei einer engen sachlichen Marktumschreibung unter Umständen nicht einmal in den Anwendungsbereich des Wettbewerbsrechts." (S. 50, zitiert aus dem Grünbuch KOM (92) 480 endg). Allerdings spricht sich das Grünbuch überhaupt nicht zur Frage aus, inwieweit die EU-Organe kompetenzrechtlich in der Lage sind, medienspezifische Konzentrationsregelungen zu erlassen: "Der publizistische Wettbewerb enthält kulturelle und demokratiepolitische Aspekte, die zumindest zu einem wesentlichen Teil in den Regelungsbereich der Einzelstaaten fallen. Die Kompetenzfrage wird gegebenenfalls bei Vorliegen eines konkreten Richtlinien-Vorschlages erneut Anlass zu Diskussionen geben." axt.
R. H. Weber, Medienkonzentration. Entwicklungstendenzen in Europa und Diskussionsstand in der Schweiz, Schulthess (Reihe Europa Institut Zürich), Zürich 1995
