Die letzte Nummer des Widerspruchs ist vor allem dem Thema "Arbeit" gewidmet. Diskutiert wird etwa -die "unternehmerische Arbeitskraft" (Verlagerung von Arbeit auf neue Selbständige und deren sozialen Folgen),
- die Auswirkungen von Organisationsmodellen (Aufwertung von Gruppen) auf Motivation und Bewusstsein von Arbeitnehmern,
- die soziale Basis der "Neuen Mitte".
- die Repolitisierung der Lohnfrage
Die EU-Frage wird dabei oft unterschlagen oder die EU wird in Verkennung der Machtverhältnisse statt als eines der Hauptprobleme als möglicher Lösungsansatz gesehen.
Der zweite Teil (Diskussion) ist dem Thema "Rechtspopulismus" gewidmet. Mark Terkessidis entwickelt einen interessanten Ausblick auf die Rolle der "Sanktionen" gegen Österreich: "Letztlich hat die EU überhaupt keine demokratische Perspektive - die Vorschläge des deutschen Aussenministers Fischer bei seiner "persönlichen" Rede über die europäische Föderation am 12. Mai in Berlin würden den Verwaltungsapparat der EU de facto noch mehr der demokratischen Kontrolle entziehen. Um die EU jedoch als Bezugspunkt zu beleben, wird sie demokratisch dargestellt und zwar mit Referenz auf einen politischen Akteur, welcher die Werte der EU spiegelverkehrt repräsentiert". Es handelt sich dabei um ein von den EU-Regierungen oft praktiziertes Muster: Die Festung Europa kritisiert den Haider. Man heult gegen Fusionen, aber unternimmt politisch alles, um sie zu erleichtern. Man spricht vom Sozialmodell Europa und löst das wohlfahrtsstaatliche Ausgleichssystem auf. Um diese Politik ideologisch zu vermitteln, wird Symbolik verwendet: "Gesellschaftliche Integration findet offensichtlich nicht mehr in erster Linie auf ökonomischer Ebene statt, sondern vielmehr symbolisch". Dies wird durch eine mediale Dauermobilisierung erreicht. Anhand von bestimmten Ereignissen ("Flüchtlingsfluten", Oder-Hochwasser, Grand Prix d'Eurovison de la Chanson, Tod von Prinzessin Diana, Fussballeuropameisterschaft, Love-Parade, ICE_Katastrophe, Bomben auf Belgrad, Blair-Baby usw.) werden die Werte der vorgeblichen Gemeinschaft medial-"sinnlich" vermittelt und beschworen (Demokratie, Toleranz, Multikulturalität, Menschenrechte, Familienwerte etc.). "Und in dieses Schema gehört eben auch der Rekurs auf bestimmte, negativ besetzte Führerfiguren wie Milosevic oder Haider, in denen das andere der "offenen Gesellschaft" kulminiert: Diktatur, Rassismus, Faschismus, Auschwitz - die vorgeblich überwundene eigene Vergangenheit". Haider dient der "europäischen Wertegemeinschaft" als Integrationsfigur.
Rechtspopulismus - Arbeit und Solidarität, Widerspruch, Zürich, Quellenstrasse 25, Postfach, 8026 Zürich, Heft 39, 2000.
