In griechischen Spitälern kann einem schon einmal die Decke auf den Kopf fallen
Griechenlands Krankenhäuser sind in einem schlechten Zustand: viel zu wenig Geld und Personal. Wehe dem, der krank wird.
Krank werden während der Ferien auf einer griechischen Insel ist keine gute Idee. Es mangelt an Ärztinnen und Ärzten, Pflegekräften, oft an medizinischer Ausrüstung und an instand gehaltenen Spitalgebäuden. So fiel vergangenen Sommer einem Herzpatienten im öffentlichen Krankenhaus von Heraklion auf Kreta nachts ein Stück Zimmerdecke auf den Kopf. Ein Wasserrohrbruch im darüberliegenden Stockwerk war nicht bemerkt worden.
Griechenlands Gesundheitssektor ist während der Jahre der Finanzkrise auf Druck der EU auf die Intensivstation gespart worden. Wird es nächstes Jahr endlich aufwärtsehen? Schliesslich erwirtschaftet der griechische Staat mittlerweile einen Überschuss – mehr Einnahmen als Ausgaben, ohne Einberechnung der Zinszahlungen für die Schulden. Ein Grieche – Finanzminister Kyriakos Pierrakakis – führt neuerdings sogar die Gruppe der Euro-Länder in der EU. Aber eine Wende bei den Spitälern? Zweifelhaft.
«Ich habe seit fünf Jahren nur 15 Tage freigenommen», sagt Christoula Petraki, eine Lungenfachärztin am städtischen Krankenhaus in Chania auf Kreta. «Das Spital funktioniert dank dem Pflichtbewusstsein und der Selbstaufopferung der Beschäftigten.» Petraki arbeitet in der Notaufnahme, wo täglich über 250 bis 300 Patienten behandelt werden. Vorgesehen sind 8 festangestellte Ärzte und Ärztinnen, derzeit ist Petraki die einzige. Grossen Personalmangel gibt es auch auf den anderen Stationen.
Denn viele Ärzte haben Griechenland wegen der niedrigen Löhne verlassen. Besonders in touristischen Hotspots wie Chania verschärfen hohe Mieten den Personalmangel: Ein neu eingestellter Arzt verdient weniger als umgerechnet 1200 Franken im Monat, Pflegekräfte 745 Franken, während eine Einzimmerwohnung etwa 370 Franken kostet – lächerlich wenig für Schweizer Verhältnisse, aber schwer zu schultern für öffentlich Bedienstete auf den Inseln.
In den vergangenen zwei Monaten hätten im Krankenhaus in Chania allein 14 Pflegekräfte gekündigt, berichtet Vardis Georgiakakis, Vorsitzender des Beschäftigtenverbands des Krankenhauses. «Manche arbeiten lieber als Kellner.»
Die Misere des griechischen Gesundheitswesens trifft mitunter auch die Reichen auf dem Festland, wie der tragische Tod der Tochter des früheren Regierungschefs Antonis Samaras im vergangenen August zeigte. Die 34-Jährige erlitt einen epileptischen Anfall, wurde in einem städtischen Krankenhaus in Athen behandelt und stabilisiert, dann aber in ein anderes Spital ins Stadtzentrum gefahren, weil die Ausstattung für neurologische Untersuchungen fehlte. Dort verstarb sie dann. NZZ am Sonntag, 28. Dezember 2025, S. 7
