Strassenschwerverkehr: Eurovignette
Das Europäische Parlament (EP) hat am 15. Dezember 05 die neue Eurovignette-Richtlinie verabschiedet. Der Erlass enthält EU-weit harmonisierte Regeln für die Berechnung von Schwerverkehrsabgaben auf dem EU-Strassennetz. Die Erhebung der Gebühr ist für die Mitgliedstaaten nicht obligatorisch, aber wer sie einführt, muss sich an die Richtlinie halten. Da sich das EP und der Ministerrat, der die Mitgliedstaaten vertritt, im Vorfeld bereits auf den Text verständigen konnten, ist die Zustimmung des Rates bloss noch eine Formsache und das Gesetzgebungsverfahren abgeschlossen.
Nach den neuen Regeln können die Mitgliedstaaten Benutzungsgebühren für Lastwagen über 12 t beibehalten oder neu einfuhren. Ab 2012 gilt die Maut auch für Nutzfahrzeuge ab einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 t. Auf Druck Deutschlands sieht der Kompromiss allerdings eine Ausnahme vor, falls die Besteuerung ab 3,5 t im Urteil eines Mitgliedstaates einen übermässigen administrativen Aufwand oder Störungen des Verkehrsflusses verursachen würde. Die Richtlinie lässt die Erhebung von Schwerverkehrsabgaben auf dem gesamten Strassennetz zu. Grundlage für die Kalkulation der Maut sind die Kosten für den Bau, Betrieb, Unterhalt und Ausbau des Strassennetzes. Spätestens zwei Jahre nach Inkrafttreten der Richtlinie wird die EU-Kommission dem Rat und dem EP ein Modell für die Internalisierung der externen Kosten (Umwelt, Lärm, Gesundheit usw.) vorlegen.
Die Höhe der Schwerverkehrsabgaben bestimmen die Mitgliedstaaten selber. Je nach Schadstoffausstoss der Lastwagen oder der für die Fahrt gewählten Tageszeit dürfen sie die Gebühren auch differenzieren. Ein Lastwagen könnte also auf einer dicht befahrenen Strecke durch ein Ballungsgebiet während des Pendlerverkehrs höher besteuert werden als für die gleiche Fahrt in den Randstunden: Erlaubt sind ferner Maut-Aufschläge von 15% bis 25% auf ökologisch heiklen Strecken - etwa im Alpenraum - für die Finanzierung von Transportanlagen, die der Verkehrsverlagerung von der Strasse auf die Schiene dienen. Darüber hinaus wird den Mitgliedstaaten aber keine Zweckbindung der Einnahmen vorgeschrieben. Der Text enthält bloss die Empfehlung, die eingenommenen Mittel zum Nutzen des Verkehrssektors und zur Optimierung des Gesamtverkehrssystems einzusetzen. NZZ, 16. Dezember 2005, S. 23
