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GÖTEBORG – ein Erlebnis voller Gegensätze



Dieses Jahr nahm ich zum fünften Mal an einem Europäischen Zukunftskongress teil. Der Kongress sollte während des EU-Gipfels in Göteborg stattfinden, und ich hatte mit Spannung auf die grosse Demonstration gewartet. Ich wollte an einer friedlichen Demo teilnehmen, und zusammen mit Tausenden von anderen EU- und Globalisationskritikerinnen und -kritikern meine Meinung ausdrücken.

von Vanessa Klötzer, Studentin, 19 Jahre alt, EU-Kritische Jugend, Frauen für Frieden, Finnland

Doch die Stimmung in Göteborg war anders als ich erwartet hatte. Schon am ersten Tag sahen wir, wie eine Schule, in der eine Gruppe von Aktivisten Unterkunft gefunden hatten, und in der unser Kongress stattfinden sollte, von der Polizei gestürmt wurde. Strassen wurden blitzartig mit Containern abgesperrt, und überall waren Polizisten mit Pferden und Hunden. Die Provokation der Polizei heizte die Stimmung an, so dass eine Konfrontation unvermeidlich schien. Ein Dialog war nicht möglich. Ich sprach mit einem sehr netten Polizisten, der von seinem Kollegen aber schnell zurückgepfiffen wurde.

Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Europäischen Zukunftskongress, die aus baltischen und osteuropäischen Ländern angereist waren - zu 50% unter 30 Jahre alt, war es ein Schock, das agressive und gewaltsame Verhalten der Polizei in einem demokratischen Land wie Schweden zu erfahren. Knüppel wurden blind eingesetzt und viele Demonstranten von Polizeihunden gebissen.

Die meisten der 100.000 Demonstranten in Göteborg waren, wie ich, ganz friedlich. Die Medien haben aber beinahe nur die negativen Bilder publiziert. Sie haben unterschlagen, dass z.B. eine ganz friedliche Anti-EU-Demonstration mit 25 000 Teilnehmern stattfand. Keineswegs waren alle Demonstranten steinewerfende Autonome. Ich selbst hatte Angst vor den rund 200 schwarzgekleideten Chaoten, die in der Stadt herumtobten. Ich hatte allerdings mehr Angst vor den Polizisten.

Der Kongress in Göteborg war aber nicht nur ein negatives Erlebnis. Ich habe neue Freunde aus ganz Europa kennengelernt sowie interessante Diskussionen geführt - und das ist für mich wichtig.

Europäische Werte Aus der Schule, nota bene ein Nebenschaupaltz, wurden die jungen Leute zweimal evakuiert. Ein drittes Mal wurden manche von der Polizei mit Maschinenpistolen in de Schulhof geführt. Dort mussten sie sich für mehr als eine Halbe Stunde auf den Boden legen, mit ihren Gesichtern auf den Boden und die Hände im Nacken - in strömendem Regen. Jedesmal, wenn jemand den Kopf hob oder die Position wechseln wollte, wurde mit dem Knüppel zugeschlagen. Dazu schrien die Polizisten wild und grob herum.



Das erste Mal seit den 30er Jahren wurde in Schweden auf Demonstranten scharf geschossen. Dabei hatte Schweden noch vor kurzem Israel scharf kritisiert, weil dort die Polizei und die Armee auf steinewerfende junge Palästinenser mit scharfer Munition los gehen. Offenbar fühlen sich die EU-Eliten - in welche die Sozialdemokratie fest eingebunden ist - mittlerweile so sicher, dass sie auf die eigene Bevölkerung losgehen können - die euronationalen Medien stehen ja stramm. p.r.


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