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Kosten eines EU-Beitrittes



Im Auftrag des Bundesamtes für Wirtschaft und Arbeit (BWA) erstellte die BAK Konjunkturforschungsstelle Basel eine Studie zu den wirtschaftlichen Auswirkungen des EU-Beitrittes und der bilateralen Verträge mit dem Titel "Alternative EU-Integrationsszenarien der Schweiz". Die Schlussfolgerungen der Studie sind für die EUphoriker ernüchternd. Ohne wirtschaftspolitische Angstmache dürfte ein EU-Beitritt der schweizerischen Bevölkerung schwerlich schmackhaft zu machen sein.

von Paul Ruppen

g Die Szenarien

Die Ausgangslage wurde der BAK vom BWA vorgegeben. Als Referenzszenario galt eine Entwicklung der Schweiz ohne bilaterale Verträge und ohne EU-Beitritt. Für dieses Referenzszenario wurde vom BWA festgelegt (!), dass ein Rückgang des Zinsbonus auf rund 90 Basispunkte gegenüber der Euro-Region. Der Mehrwertsteuersatz werde zwischen 2002 und 2005 von 7.5% kontinuierlich auf 10% erhöht (2002: 8.1%, 2003: 8.8%, 2004: 9.5%, 2005: 10%). Auf Grund dieser kritisierbaren Annahmen erstellte die BAK eine Modellrechnung für die drei Szenaieren (1) Referenzszenario, (2) Bilaterale Verträge, (3) EU-Beitritt.

Dazu wurden folgende Rahmenbedingungen berücksichtigt: Bei einem EU-Beitritt muss die Schweiz jährlich einen Nettotransfer an die EU abliefern. Dieser würde sich auf knapp 3.7 Milliarden Schweizer Franken belaufen. Im Modell wurde deshalb ein Mittelabfluss ins Ausland in Höhe von 0.84% des nominelle Bruttoinlandsprodukts unterstellt. Dieser Nettotranfer ans Ausland würde durch die bei einer EU-Mitgliedschaft notwendige Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes auf 15% finanziert. Durch die Mehrwertsteuererhöhung ergibt sich eine Schwächung der Inlandnachfrage. Im Szenario bilaterale Verträge fallen keine Nettotranfers, keine über der im Referenzszenario unterstellten Mehrwertsteuererhöhungen und auch keine Reduktionen der direkten Kantonssteuern der privaten Haushalte an.

Ebenfalls wichtig für die Berechnung der Auswirkungen sind die mit dem EU-Betritt zur Währungsunion verbundenen veränderten monetären Rahmenbedingungen. Analog der Erfahrungen anderer Beitrittsländer wird dabei unterstellt, dass sich mit dem Bekanntwerden des Beitritts die langfristigen Zinsen innerhalb von 2 Jahren auf 20 Basispunkte an das EU-Niveau annähern. Die Kurzfristzinsen konvergieren dagegen erst in den letzten vier Quartalen vor dem Beitritt und die Angleichung erfolgt vollständig. Die Schweizerische Nationalbank hätte keine Möglichkeit mehr, eine autonome Geldpolitik zu betreiben. Die erhöhten Zinsen wirken sich in einem Sinken der Investitionen und einem entsprechenden Ansteigen der Arbeitslosigkeit aus. Im Szenario bilaterale Verhandlungen bleibt die Schweiz ausserhalb der Europäischen Währungsunion, weshalb die Zins- und Wechselkursentwicklung von der eigenen konjunkturellen Lage, dem weltweiten monetären Umfeld sowie von der Reaktion der Schweizerischen Nationalbank determiniert würde.

Den bilateralen Verträgen oder dem EU-Beitritt werden wegen des Wegfalls von Marktzutrittsbarrieren Kostenersparnissen zugeschrieben. Die erhöhten Transparenz und der gesteigerte Konkurrenzdruck sollen laut Modell Produktivitätsfortschritte mit sich bringen. Die Autoren merken richtig an, dass die Quantifizierung dieser Effekte methodisch äusserst schwierig ist. Entsprechend wurden sie im Modell einfach vorausgesetzt und zwar laut Vorgaben des BAW: Im Falle der bilateralen Abkommen legte der Auftraggeber einen erwarteten Effizienzgewinn von 3% verteilt über 10 Jahre, im EU-Beitrittsfall einen solchen von 5% fest. Trotz dieser neoliberalen, willkürlichen Festlegungen, kommt der EU-Beitritt in der Studie der BAK schlecht weg.

Wirtschaftliche Folgen eines EU-Beitritts

Die negativen Auswirkungen auf das reale Bruttoinlandprodukt liessen sich unmittelbar nach dem Beitritt feststellen. Der Ansteig der nominellen Langfristzinsen würde über steigende Kapitalkosten die privaten Investitionen und die privaten Konsumausgaben reduzieren. Diese Effekt würden durch den Anstieg der Kurzfristzinsen verstärkt. Der Rückgang der Nachfrage schlüge sich in Überkapazitäten, fallenden Preisen und Löhnen sowie in einer abnehmenden Zahl der Erwerbstätigen und steigender Arbeitslosigkeit nieder. Nach ca. 5 Jahren würde sich eine Abschwächung des Bruttoinlandproduktes um -2% vom Referenzszenario ergeben. Nach 10 Jahren würde sich die folgende Situation ergeben: Die Binnennachfrage hat stark unter dem EU-Beitritt gelitten. Die privaten Investitionen liegen infolge der erhöhten Realzinsen am Ende der Simulationsperiode 6.3% unter dem Referenzwert, die privaten Konsumausgaben sind 2% niedriger als im Referenzszenario. Der Beitritt zur Währungsunion und der damit verbundene Anstieg der Realzinsen führt zu einer Verminderung des Kapitalstocks und somit auch zu einer dauerhaften Reduktion des gesamten Produktionspotentials, was sich im Vergleich zum Referenzszeanrio in einem permanent niedrigeren realen Bruttoinlandsprodukt niederschlägt.

Auf Grund der optimistischen, neo-liberalen Vorgaben des BAW fällt die Analyse der bilateralen Verträge positiv aus. Die negativen Effekte der Währungsunion und der 15% Mehrwertsteuer fallen weg. Es bleiben nur die behaupteten Effizienzgewinne des stärkeren Freihandels (sprich Fusionen!) zum Tragen. Nach ca. 6 Jahren ergibt sich laut Studie eine positive Wirkung auf die Arbeitsplatzentwicklung. Die Preise würden stärker sinken als die Löhne, wodurch sich eine Erhöhung der Reallöhne ergäbe. Am Ende der Simulationsperiode würde die Arbeitslosenquote im Vergleich zum Referenzszenario um 0.2% reduziert und die Zahl der Erwebstätigen um 0.2% erhöht sein (man beachte die minimen Unterschiede zum Referenzszenario). Über die sozialen Auswirkungen der verschiedenen Szenarien werden in der Studie keine Angaben gemacht. Wem mehr Konkurrenz und eine höhere Mehrwertsteuer schadet, dürfte allerdings offensichtlich sein.

Die Studie der Basler Konjunkturforschungsstelle BAK ist Teil eines Studienprogramms, das vom Bundesamt für Wirtschaft (BAW) in Auftrag gegeben wurde. Diese sollten den Integrationsbericht 1999 ergänzen. Zur Serie gehörten: - Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, Markoökonomische Auswirkungen eines EU-Beitrittes der Schweiz, - Thomas Straubhaar, Integration und Arbeitsmarkt - Laboratoire d'économie appliquée, Université de Genève, Effets à long terme d'une intégration de la Suisse à l'Europe - Ecoplan, Wirtschafts- und Umweltstudien, Bern, EU-Integration der Schweiz: wirtschaftliche Auswirkungen. Die übrigen Studien kommen zu EU-beitrittsfreundlicheren Aussagen. Die Studien können bestellt werden bei BWA, 3003 Bern, Tel 031 322 42 27 Art. Nr. 705.000 4.99 500 10N57443 10192. Sie werden nicht gratis abgeben.


Die Autoren der Studie wurden von Euronationalen teilweise heftig angegriffen (z.B. Prof. Thomas Cottier, der zwar kein Wirtschafter ist, aber desto wütender reagierte). Hätten die Resultate anders gelautet, würde wird alle zwei Tage in irgend einer Zeitung lesen, wie vorteilhaft ein EU-Beitritt sei. So wurde der Bericht kurz erwähnt und dann vergessen. Vaterlaus, einer der Autoren der Studie, versuchte sich anlässlich der Attacken politisch (un)korrekt (d.h. euronational) zu geben, indem verschiedentlich er erklärte, ein EU-Beitritt sei für die Schweiz wirtschaftlich tragbar. Schliesslich gebe es ja noch politische Gründe für einen Beitritt.


Im Auftrag des Bundesamtes für Wirtschaft und Arbeit (BWA) erstellte die BAK Konjunkturforschungsstelle Basel eine Studie zu den wirtschaftlichen Auswirkungen des EU-Beitrittes und der bilateralen Verträge mit dem Titel "Alternative EU-Integrationsszenarien der Schweiz". Die Schlussfolgerungen der Studie sind für die EUphoriker ernüchternd. Ohne wirtschaftspolitische Angstmache dürfte ein EU-Beitritt der schweizerischen Bevölkerung schwerlich schmackhaft zu machen sein.

von Paul Ruppen

Die Szenarien

Die Ausgangslage wurde der BAK vom BWA vorgegeben. Als Referenzszenario galt eine Entwicklung der Schweiz ohne bilaterale Verträge und ohne EU-Beitritt. Für dieses Referenzszenario wurde vom BWA festgelegt (!), dass ein Rückgang des Zinsbonus auf rund 90 Basispunkte gegenüber der Euro-Region. Der Mehrwertsteuersatz werde zwischen 2002 und 2005 von 7.5% kontinuierlich auf 10% erhöht (2002: 8.1%, 2003: 8.8%, 2004: 9.5%, 2005: 10%). Auf Grund dieser kritisierbaren Annahmen erstellte die BAK eine Modellrechnung für die drei Szenaieren (1) Referenzszenario, (2) Bilaterale Verträge, (3) EU-Beitritt.

Dazu wurden folgende Rahmenbedingungen berücksichtigt: Bei einem EU-Beitritt muss die Schweiz jährlich einen Nettotransfer an die EU abliefern. Dieser würde sich auf knapp 3.7 Milliarden Schweizer Franken belaufen. Im Modell wurde deshalb ein Mittelabfluss ins Ausland in Höhe von 0.84% des nominelle Bruttoinlandsprodukts unterstellt. Dieser Nettotranfer ans Ausland würde durch die bei einer EU-Mitgliedschaft notwendige Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes auf 15% finanziert. Durch die Mehrwertsteuererhöhung ergibt sich eine Schwächung der Inlandnachfrage. Im Szenario bilaterale Verträge fallen keine Nettotranfers, keine über der im Referenzszenario unterstellten Mehrwertsteuererhöhungen und auch keine Reduktionen der direkten Kantonssteuern der privaten Haushalte an.

Ebenfalls wichtig für die Berechnung der Auswirkungen sind die mit dem EU-Betritt zur Währungsunion verbundenen veränderten monetären Rahmenbedingungen. Analog der Erfahrungen anderer Beitrittsländer wird dabei unterstellt, dass sich mit dem Bekanntwerden des Beitritts die langfristigen Zinsen innerhalb von 2 Jahren auf 20 Basispunkte an das EU-Niveau annähern. Die Kurzfristzinsen konvergieren dagegen erst in den letzten vier Quartalen vor dem Beitritt und die Angleichung erfolgt vollständig. Die Schweizerische Nationalbank hätte keine Möglichkeit mehr, eine autonome Geldpolitik zu betreiben. Die erhöhten Zinsen wirken sich in einem Sinken der Investitionen und einem entsprechenden Ansteigen der Arbeitslosigkeit aus. Im Szenario bilaterale Verhandlungen bleibt die Schweiz ausserhalb der Europäischen Währungsunion, weshalb die Zins- und Wechselkursentwicklung von der eigenen konjunkturellen Lage, dem weltweiten monetären Umfeld sowie von der Reaktion der Schweizerischen Nationalbank determiniert würde.

Den bilateralen Verträgen oder dem EU-Beitritt werden wegen des Wegfalls von Marktzutrittsbarrieren Kostenersparnissen zugeschrieben. Die erhöhten Transparenz und der gesteigerte Konkurrenzdruck sollen laut Modell Produktivitätsfortschritte mit sich bringen. Die Autoren merken richtig an, dass die Quantifizierung dieser Effekte methodisch äusserst schwierig ist. Entsprechend wurden sie im Modell einfach vorausgesetzt und zwar laut Vorgaben des BAW: Im Falle der bilateralen Abkommen legte der Auftraggeber einen erwarteten Effizienzgewinn von 3% verteilt über 10 Jahre, im EU-Beitrittsfall einen solchen von 5% fest. Trotz dieser neoliberalen, willkürlichen Festlegungen, kommt der EU-Beitritt in der Studie der BAK schlecht weg.

Wirtschaftliche Folgen eines EU-Beitritts

Die negativen Auswirkungen auf das reale Bruttoinlandprodukt liessen sich unmittelbar nach dem Beitritt feststellen. Der Ansteig der nominellen Langfristzinsen würde über steigende Kapitalkosten die privaten Investitionen und die privaten Konsumausgaben reduzieren. Diese Effekt würden durch den Anstieg der Kurzfristzinsen verstärkt. Der Rückgang der Nachfrage schlüge sich in Überkapazitäten, fallenden Preisen und Löhnen sowie in einer abnehmenden Zahl der Erwerbstätigen und steigender Arbeitslosigkeit nieder. Nach ca. 5 Jahren würde sich eine Abschwächung des Bruttoinlandproduktes um -2% vom Referenzszenario ergeben. Nach 10 Jahren würde sich die folgende Situation ergeben: Die Binnennachfrage hat stark unter dem EU-Beitritt gelitten. Die privaten Investitionen liegen infolge der erhöhten Realzinsen am Ende der Simulationsperiode 6.3% unter dem Referenzwert, die privaten Konsumausgaben sind 2% niedriger als im Referenzszenario. Der Beitritt zur Währungsunion und der damit verbundene Anstieg der Realzinsen führt zu einer Verminderung des Kapitalstocks und somit auch zu einer dauerhaften Reduktion des gesamten Produktionspotentials, was sich im Vergleich zum Referenzszeanrio in einem permanent niedrigeren realen Bruttoinlandsprodukt niederschlägt.

Auf Grund der optimistischen, neo-liberalen Vorgaben des BAW fällt die Analyse der bilateralen Verträge positiv aus. Die negativen Effekte der Währungsunion und der 15% Mehrwertsteuer fallen weg. Es bleiben nur die behaupteten Effizienzgewinne des stärkeren Freihandels (sprich Fusionen!) zum Tragen. Nach ca. 6 Jahren ergibt sich laut Studie eine positive Wirkung auf die Arbeitsplatzentwicklung. Die Preise würden stärker sinken als die Löhne, wodurch sich eine Erhöhung der Reallöhne ergäbe. Am Ende der Simulationsperiode würde die Arbeitslosenquote im Vergleich zum Referenzszenario um 0.2% reduziert und die Zahl der Erwebstätigen um 0.2% erhöht sein (man beachte die minimen Unterschiede zum Referenzszenario). Über die sozialen Auswirkungen der verschiedenen Szenarien werden in der Studie keine Angaben gemacht. Wem mehr Konkurrenz und eine höhere Mehrwertsteuer schadet, dürfte allerdings offensichtlich sein.

Die Studie der Basler Konjunkturforschungsstelle BAK ist Teil eines Studienprogramms, das vom Bundesamt für Wirtschaft (BAW) in Auftrag gegeben wurde. Diese sollten den Integrationsbericht 1999 ergänzen. Zur Serie gehörten: - Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, Markoökonomische Auswirkungen eines EU-Beitrittes der Schweiz, - Thomas Straubhaar, Integration und Arbeitsmarkt - Laboratoire d'économie appliquée, Université de Genève, Effets à long terme d'une intégration de la Suisse à l'Europe - Ecoplan, Wirtschafts- und Umweltstudien, Bern, EU-Integration der Schweiz: wirtschaftliche Auswirkungen. Die übrigen Studien kommen zu EU-beitrittsfreundlicheren Aussagen. Die Studien können bestellt werden bei BWA, 3003 Bern, Tel 031 322 42 27 Art. Nr. 705.000 4.99 500 10N57443 10192. Sie werden nicht gratis abgeben.


Die Autoren der Studie wurden von Euronationalen teilweise heftig angegriffen (z.B. Prof. Thomas Cottier, der zwar kein Wirtschafter ist, aber desto wütender reagierte). Hätten die Resultate anders gelautet, würde wird alle zwei Tage in irgend einer Zeitung lesen, wie vorteilhaft ein EU-Beitritt sei. So wurde der Bericht kurz erwähnt und dann vergessen. Vaterlaus, einer der Autoren der Studie, versuchte sich anlässlich der Attacken politisch (un)korrekt (d.h. euronational) zu geben, indem verschiedentlich er erklärte, ein EU-Beitritt sei für die Schweiz wirtschaftlich tragbar. Schliesslich gebe es ja noch politische Gründe für einen Beitritt.


Im Auftrag des Bundesamtes für Wirtschaft und Arbeit (BWA) erstellte die BAK Konjunkturforschungsstelle Basel eine Studie zu den wirtschaftlichen Auswirkungen des EU-Beitrittes und der bilateralen Verträge mit dem Titel "Alternative EU-Integrationsszenarien der Schweiz". Die Schlussfolgerungen der Studie sind für die EUphoriker ernüchternd. Ohne wirtschaftspolitische Angstmache dürfte ein EU-Beitritt der schweizerischen Bevölkerung schwerlich schmackhaft zu machen sein.

von Paul Ruppen

Die Szenarien

Die Ausgangslage wurde der BAK vom BWA vorgegeben. Als Referenzszenario galt eine Entwicklung der Schweiz ohne bilaterale Verträge und ohne EU-Beitritt. Für dieses Referenzszenario wurde vom BWA festgelegt (!), dass ein Rückgang des Zinsbonus auf rund 90 Basispunkte gegenüber der Euro-Region. Der Mehrwertsteuersatz werde zwischen 2002 und 2005 von 7.5% kontinuierlich auf 10% erhöht (2002: 8.1%, 2003: 8.8%, 2004: 9.5%, 2005: 10%). Auf Grund dieser kritisierbaren Annahmen erstellte die BAK eine Modellrechnung für die drei Szenaieren (1) Referenzszenario, (2) Bilaterale Verträge, (3) EU-Beitritt.

Dazu wurden folgende Rahmenbedingungen berücksichtigt: Bei einem EU-Beitritt muss die Schweiz jährlich einen Nettotransfer an die EU abliefern. Dieser würde sich auf knapp 3.7 Milliarden Schweizer Franken belaufen. Im Modell wurde deshalb ein Mittelabfluss ins Ausland in Höhe von 0.84% des nominelle Bruttoinlandsprodukts unterstellt. Dieser Nettotranfer ans Ausland würde durch die bei einer EU-Mitgliedschaft notwendige Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes auf 15% finanziert. Durch die Mehrwertsteuererhöhung ergibt sich eine Schwächung der Inlandnachfrage. Im Szenario bilaterale Verträge fallen keine Nettotranfers, keine über der im Referenzszenario unterstellten Mehrwertsteuererhöhungen und auch keine Reduktionen der direkten Kantonssteuern der privaten Haushalte an.

Ebenfalls wichtig für die Berechnung der Auswirkungen sind die mit dem EU-Betritt zur Währungsunion verbundenen veränderten monetären Rahmenbedingungen. Analog der Erfahrungen anderer Beitrittsländer wird dabei unterstellt, dass sich mit dem Bekanntwerden des Beitritts die langfristigen Zinsen innerhalb von 2 Jahren auf 20 Basispunkte an das EU-Niveau annähern. Die Kurzfristzinsen konvergieren dagegen erst in den letzten vier Quartalen vor dem Beitritt und die Angleichung erfolgt vollständig. Die Schweizerische Nationalbank hätte keine Möglichkeit mehr, eine autonome Geldpolitik zu betreiben. Die erhöhten Zinsen wirken sich in einem Sinken der Investitionen und einem entsprechenden Ansteigen der Arbeitslosigkeit aus. Im Szenario bilaterale Verhandlungen bleibt die Schweiz ausserhalb der Europäischen Währungsunion, weshalb die Zins- und Wechselkursentwicklung von der eigenen konjunkturellen Lage, dem weltweiten monetären Umfeld sowie von der Reaktion der Schweizerischen Nationalbank determiniert würde.

Den bilateralen Verträgen oder dem EU-Beitritt werden wegen des Wegfalls von Marktzutrittsbarrieren Kostenersparnissen zugeschrieben. Die erhöhten Transparenz und der gesteigerte Konkurrenzdruck sollen laut Modell Produktivitätsfortschritte mit sich bringen. Die Autoren merken richtig an, dass die Quantifizierung dieser Effekte methodisch äusserst schwierig ist. Entsprechend wurden sie im Modell einfach vorausgesetzt und zwar laut Vorgaben des BAW: Im Falle der bilateralen Abkommen legte der Auftraggeber einen erwarteten Effizienzgewinn von 3% verteilt über 10 Jahre, im EU-Beitrittsfall einen solchen von 5% fest. Trotz dieser neoliberalen, willkürlichen Festlegungen, kommt der EU-Beitritt in der Studie der BAK schlecht weg.

Wirtschaftliche Folgen eines EU-Beitritts

Die negativen Auswirkungen auf das reale Bruttoinlandprodukt liessen sich unmittelbar nach dem Beitritt feststellen. Der Ansteig der nominellen Langfristzinsen würde über steigende Kapitalkosten die privaten Investitionen und die privaten Konsumausgaben reduzieren. Diese Effekt würden durch den Anstieg der Kurzfristzinsen verstärkt. Der Rückgang der Nachfrage schlüge sich in Überkapazitäten, fallenden Preisen und Löhnen sowie in einer abnehmenden Zahl der Erwerbstätigen und steigender Arbeitslosigkeit nieder. Nach ca. 5 Jahren würde sich eine Abschwächung des Bruttoinlandproduktes um -2% vom Referenzszenario ergeben. Nach 10 Jahren würde sich die folgende Situation ergeben: Die Binnennachfrage hat stark unter dem EU-Beitritt gelitten. Die privaten Investitionen liegen infolge der erhöhten Realzinsen am Ende der Simulationsperiode 6.3% unter dem Referenzwert, die privaten Konsumausgaben sind 2% niedriger als im Referenzszenario. Der Beitritt zur Währungsunion und der damit verbundene Anstieg der Realzinsen führt zu einer Verminderung des Kapitalstocks und somit auch zu einer dauerhaften Reduktion des gesamten Produktionspotentials, was sich im Vergleich zum Referenzszeanrio in einem permanent niedrigeren realen Bruttoinlandsprodukt niederschlägt.

Auf Grund der optimistischen, neo-liberalen Vorgaben des BAW fällt die Analyse der bilateralen Verträge positiv aus. Die negativen Effekte der Währungsunion und der 15% Mehrwertsteuer fallen weg. Es bleiben nur die behaupteten Effizienzgewinne des stärkeren Freihandels (sprich Fusionen!) zum Tragen. Nach ca. 6 Jahren ergibt sich laut Studie eine positive Wirkung auf die Arbeitsplatzentwicklung. Die Preise würden stärker sinken als die Löhne, wodurch sich eine Erhöhung der Reallöhne ergäbe. Am Ende der Simulationsperiode würde die Arbeitslosenquote im Vergleich zum Referenzszenario um 0.2% reduziert und die Zahl der Erwebstätigen um 0.2% erhöht sein (man beachte die minimen Unterschiede zum Referenzszenario). Über die sozialen Auswirkungen der verschiedenen Szenarien werden in der Studie keine Angaben gemacht. Wem mehr Konkurrenz und eine höhere Mehrwertsteuer schadet, dürfte allerdings offensichtlich sein.

Die Studie der Basler Konjunkturforschungsstelle BAK ist Teil eines Studienprogramms, das vom Bundesamt für Wirtschaft (BAW) in Auftrag gegeben wurde. Diese sollten den Integrationsbericht 1999 ergänzen. Zur Serie gehörten:
- Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, Markoökonomische Auswirkungen eines EU-Beitrittes der Schweiz,
- Thomas Straubhaar, Integration und Arbeitsmarkt
- Laboratoire d'économie appliquée, Université de Genève, Effets à long terme d'une intégration de la Suisse à l'Europe
- Ecoplan, Wirtschafts- und Umweltstudien, Bern, EU-Integration der Schweiz: wirtschaftliche Auswirkungen.
Die übrigen Studien kommen zu EU-beitrittsfreundlicheren Aussagen. Die Studien können bestellt werden bei BWA, 3003 Bern, Tel 031 322 42 27 Art. Nr. 705.000 4.99 500 10N57443 10192. Sie werden nicht gratis abgeben.


Die Autoren der Studie wurden von Euronationalen teilweise heftig angegriffen (z.B. Prof. Thomas Cottier, der zwar kein Wirtschafter ist, aber desto wütender reagierte). Hätten die Resultate anders gelautet, würde wird alle zwei Tage in irgend einer Zeitung lesen, wie vorteilhaft ein EU-Beitritt sei. So wurde der Bericht kurz erwähnt und dann vergessen. Vaterlaus, einer der Autoren der Studie, versuchte sich anlässlich der Attacken politisch (un)korrekt (d.h. euronational) zu geben, indem verschiedentlich er erklärte, ein EU-Beitritt sei für die Schweiz wirtschaftlich tragbar. Schliesslich gebe es ja noch politische Gründe für einen Beitritt.

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